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Forschung zu Online-Beratung, Online-Coaching und Online-Therapie.

Ich greife hier auf Ergebnisse aus Beratung, Coaching und Therapie zurück, da sich die 3 Arbeitsformen zwar hinsichtlich der Klientel und der Beratungsthemen unterscheiden, nicht aber hinsichtlich der Veränderungstheorien und der Beziehung zwischen Berater*Innen und Klient*Innen. Daher ist die Frage, ob das Online-Setting förderlich oder hinderlich ist für alle 3 Beratungsformen gleich und gleich wichtig.

Aus meinen frühen Berufsjahren Anfang der 1970ger Jahre kann ich mich noch über unser Erstaunen erinnern, dass die Gesprächspsychotherapeuten um das Ehepaar Tausch in Hamburg erfolgreich die Möglichkeit der Beratung über Telefon erprobten. Auch meine Eigenen Erfahrungen mit Beratungen über Telefon und später über Skype waren durchweg positiv.

So erstaunt mich auch die folgende Aussage von Hanley T. (2020) nicht: “Die Online-Therapie ist da, um zu bleiben. Es ist nicht ohne Herausforderungen, bringt aber auch deutliche Chancen mit sich. Dies wurde, während der COVID-19-Pandemie schlüssig gezeigt, hat sich aber auch in der stetigen Entwicklung der Online-Dienste in den letzten Jahrzehnten gezeigt“. (1)

Noch 2013 schreiben Eichenberger et al. (10) , dass Online-Interventionen in einem Großteil der Bevölkerung meist skeptisch aufgenommen werden. Sie sind daher folgender Meinung. „Mitglieder des Gesundheitssystems sollten sich daher auf aktuelle Entwicklungen vorbereiten und dazu beitragen, die Patienten über die Möglichkeiten und auch die potenziellen Risiken der e-psychischen Gesundheit aufzuklären.

Jedoch schon im Jahr 2014 bezeichneten Geissler et al. (7) „E-Coaching, (als) ein Format mit einem bedeutenden Zukunftspotenzial, das sich noch im Anfangsstadium befindet.“

Nach Hamburger, Yair Amichai et al. (2014) (9)  haben Menschen “die Möglichkeit, das Internet als Werkzeug für Empowerment zu nutzen; E-Therapie ist ein ausgezeichnetes Beispiel, wie dies erreicht werden kann. E-Therapie hat eindeutig beides Vor- und Nachteile, aber wir schlagen vor, dass trotz seiner Einschränkungen die Integration der Technologie in den Therapiebereich erhebliche Vorteile mit sich bringt”.

Eichenberg und Küsel (2016) (6)  kommen zu einer im Ganzen positiven Einschätzung der Wirksamkeit von Online-Interventionen. “So konnten in Studien bisher keine Unterschiede zwischen den beiden Bedingungen face-to-face Psychotherapie und Online-Psychotherapie gefunden werden ” Auch was die Rolle des vermutlich wichtigsten Wirkfaktors in Beratungen und Therapien betrifft, “zeigen nun auch erste empirische Studien, dass es möglich ist, eine und stabile therapeutische Beziehung auch im Rahmen einer internetbasierten Psychotherapie aufzubauen”.
Sie weisen jedoch auch auf die Notwendigkeit hin, die auch beobachteten negativen Effekte von Online-Interventionen wissenschaftlich zu untersuchen.

Zu einer positiven Bewertung kam auch eine qualitative Studie (3) von Friesenhahn und Miles (2019)

Auch die Ergebnisse einer Untersuchung von E-Coaching zur Senkung von Bluthochdruck. H Yousuf et al. (2019). (4)  sind ermutigend

Eine Literatur-Übersicht von Muacevic und Anderen (2017) (5) zur Wirkung von Internet basierter Kognitiver Verhaltenstherapie kommt zu dem Ergebnis dass sie „bei der Behandlung und Behandlung verschiedener psychiatrischer Störungen wie Depressionen, … sozialer Angst, Panikstörungen, Phobien, Sucht- und Substanzstörungen, … wirksam ist.“ Die Autoren heben besonders die Bedeutung dieses Ergebnisses für dünn besiedelte, ländliche Regionen hervor, in denen lange Anreisen zu Beratungssizungen ein problem darstellen.

Kann man die bis hierhin genanntes Arbeiten im Ganzen positiv bewerten so zeigen sich auch relativ früh Hinweise auf eine Überlegenheit der Online-Beratung. So berichtet Wagner et al. 2014 (8) von einer Studie, die zeigt, dass „internetbasierte Intervention bei Depressionen ebenso wirksam ist wie regelmäßige persönliche Therapie. Eine längerfristige Wirksamkeit, andauernde Symptomreduktion drei Monate nach der Behandlung, konnte jedoch nur für die Online-Gruppe belegt werden.“

Zaida Nor Zainudin von der Putra Universität in Malaysia (2020) hat  in einer Empirischen Studie (2) gezeigt, dass beim Vergleich von Face-to Face Beratung und Online-Beratung die Klienten Gruppe, die über das Internet beraten wurde, eine deutlich bessere Entwicklung zeigte.

Daher ist mein Facit aus dieser Übersicht, dass Online-Beratung, Online-Coaching und Online-Therapie eine sehr gute Alternative zur Face-to Face Arbeit in Beratungszimmer und Klinik. Ich selbst möchte sie in meiner letzten Lebens- und Arbeitsphase zum Schwerpunkt meiner Arbeit als Psychologe und Coach machen.

Liste der verarbeiteten Literatur zu Online-Beratung, Online-Coaching und Online-Therapie:

  1. Hanley T. (2020)
    Researching online counselling and psychotherapy: The past, the present and the future. Couns Psychother Res. 2020;00:1–5.
    https://doi.  org/10.1002/capr.12385
  2. Zaida Nor Zainudin et alii, (2020)
    The effectiveness of e-counselling approach in client’s changes
    Department of Counsellor Education and Counselling Psychology, Faculty of Educational Studies, Universiti / Putra Malaysia, 43400 UPM Serdang, Selangor, Malaysia. (PicTL 2020)
    https://www.researchgate.net/publication/344893773_THE_EFFECTIVENESS_OF_E-COUNSELLING_APPROACH_IN_CLIENT’S_CHANGES
  3. Friesenhahn, Johanna, Taylor, Miles (2019)
    Chancen und Grenzen von Online-Coaching, Eine Studie zu digitalen Kompetenzen und ihrer Wirksamkeit,
    https://www.coaching-magazin.de/wissenschaft/chancen-und-grenzen-von-online-coaching
  4. H Yousuf et alii (2019)
    Effectiveness of web-based personalised e-Coaching lifestyle interventions
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6311162/
  5. Muacevic, Alexander and Adler, John R et alii (2017)
    The Effectiveness of Internet-Based Cognitive Behavioral Therapy in Treatment of Psychiatric Disorders / Published online 2017 Aug 29. doi:
    https://www.cureus.com/articles/8283-the-effectiveness-of-internet-based-cognitive-behavioral-therapy-in-treatment-of-psychiatric-disorders
  6. Eichenberg, C. & Küsel, C. (2016).
    Zur Wirksamkeit von Online-Beratung und Online-Psychotherapie. Resonan­zen. E-Journal für biopsychosoziale Dialoge in Psychotherapie, Supervision und Beratung, 4(2), 93-107. Zugriff am 15.11.2016. Verfügbar unter
    https://www.resonanzen-journal.org/index.php/resonanzen/article/view/391#
  7. Geissler, Harald; Hasenbein Melanie; Kanatouri, Stella; Schmidt, Helmut;
    Wegener, Robert (2014)
    E-Coaching: Conceptual and Empirical Findings of a Virtual Coaching Programme International Journal of Evidence Based Coaching and Mentoring, Vol. 12, No. 2, August 2014, Page 165
    https://core.ac.uk/download/pdf/132154206.pdf
  8. Wagner, Birgit; Horn, Andreas B; Maerker; Andreas; (2014)
    Internet-based versus face-to-face cognitive-behavioral interventio for depression: a randomized controlled non-inferiority trial
    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23886401/
  9. Hamburger, Yair Amichai et al. (2014), The future of online therapy
    https://www.idc.ac.il/he/research/arl/documents/publications/the_future_of_online_therapy.pdf
  10. Eichenberg C, Wolters C, Brähler E (2013)
    The Internet as a Mental Health Advisor in Germany—Results of a National Survey. PLoS ONE 8(11): e79206.
    https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0079206ttps://doi.org/10.1371/journal.pone.0079206